Monatsimpuls von Gemeindereferentin Annette Flämig
Liebe Gemeinde,
Während ich diese Zeilen schreibe, haben wir eine lange Hitze- und Dürreperiode hinter uns. Waldbrände in Europa mit ganz neuen und zerstörerischen Dimensionen konnten wir nicht nur im Fernsehen mitverfolgen, wir haben sie aus der Eifel und dem Hohen Venn sehen und riechen müssen. Auch das extreme Niedrigwasser des Rheins und anderer Flüsse führt uns drastisch vor Augen, das Veränderungsprozesse in Gang sind, die bedrohliche Ausmaße angenommen haben und die durch ausbeuterisches und rücksichtsloses Verhalten von uns Menschen selbst verschuldet sind.
Zudem stehen in Sachsen-Anhalt, Berlin und MecklenburgVorpommern Landtagswahlen an. Und bei uns die Wiederholung der Wahl zur Regionalversammlung. Eigentlich ein ganz normaler demokratischer Prozess. Und dennoch beunruhigt er mich und viele andere enorm. Denn der Ausgang dieser Wahlen hat das Potenzial,
einem Gesellschafts- und Menschenbild an die Macht zu verhelfen, das in keiner Weise mehr meinem Verständnis von der Nachfolge Jesu entspricht.
Wir stehen an eine Schwelle, die in einen Abgrund führen kann. Und wir müssen uns fragen, wo wir als Kirche, als Gemeinde, als Christinnen und Christen stehen. Welche Werte, welche Haltung, welche Energie bringen wir bei aller (berechtigter) Kritik in unsere Gesellschaft ein? Wo halten wir dagegen, wenn menschenverachtender
Mist und völkisches Denken verbreitet, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse vollkommen ignoriert werden? Und wo machen wir unser Kreuz?
Die Nachfolge Jesu ist natürlich kein konkretes politisches Programm. Aber sie ist auch kein Gedankengebäude im luftleeren Raum. Sie ruft uns auf zu Haltung und Handlung, ist eine spirituelle Anfrage und eine Herausforderung im konkreten Tun.
Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, das waren schon vor Jahrzehnten die Begriffe, die uns Christ*innen auf die Spur in eine bessere Zukunft für alle Geschöpfe und unsere Lebensgrundlagen führen sollten. Und Jesus hat uns die Liebe Gottes zu allen Menschen, gerade zu den Kleinen und Benachteiligten vorgelebt. Das ist unser Programm!
Wie das gehen, wie das umgesetzt werden kann, darum müssen wir ringen und streiten. Und das ist mühsam und anstrengend und geht oft langsam. Wie in einer Demokratie. Aber dazu gibt es keine Alternative.
Wir sollten nicht nachlassen, es mit Respekt und Liebe immer weiter zu versuchen.
Mit herzlichen Grüßen
Annette Flämig
Gebet für unsere Erde
Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert, mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns, den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und
Frieden.
Schlussgebet aus der Enzyklika „Laudato si – Über die Sorge für das
gemeinsame Haus“ (2015) von Papst Franziskus













